Im Tal der Steine – ein Besuch im Kongenshus Mindepark

Du kjære brune Hede,
du er min Barndoms Eventyr

Jeppe Aakjær

…daran denke ich, als wir an diesem Ort ankommen. Braun ist die Landschaft, es ist Winter – und wie auf Knopfdruck tauchen in lila Farbe getunkte Bilder dieser ausgedehnten Heideflächen in meinem Kopf auf. Im Spätsommer muss ich wiederkommen, flüstere ich vor mich hin. Ob Jeppe Aakjær sich auf diese Heidefläche bezog, weiß ich nicht – ein kleines Abenteuer war diese Landschaft für Kinder aber mit Sicherheit schon. Und ein bisschen schaurig. Und das ist sie auch heute noch, vor allem aber ist es an diesem Januartag ordentlich kalt. Der Wind fegt über die Heide und kaum ein Baum, um auch nur ein wenig Schutz zu finden.

Highlight für Outdoor-Fans


Wir sind auf dem Weg zum Kongenshus Mindepark, einem fast einen Kilometer langen Tal, das in dieser mitteljütischen Heide liegt. Hier trifft man auf wenige Touristen, was ein wenig der Jahreszeit geschuldet ist, aber sicher auch daran liegt, dass dieses Gebiet nicht unbedingt auf der Top Ten Liste der bekanntesten Ausflugsziele Dänemarks liegt. Dabei ist Kongenshus einen Ausflug wert. Und für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Hundebesitzer sowieso ein Highlight.


Auf der Heide führt ein Teilabschnitt des Wanderweges Kalk Kaminoen entlang, auf dem Wanderer auf knapp 30 Kilometern Mitteljütland für sich erobern können. Zwischen Stoholm und Skelhøje ist die Landschaft vor allem geprägt vom Kalkabbau wie bei Daubjerg und Mønsted, oder von den großen, offenen Heideflächen wie hier in Kongenshus. Hier unternahm man die ersten, größer angelegten Versuche, die Heideflächen zu kultivieren. Einer der ersten war Ludvig von Kahlen, der sich schon länger für die Kultivierung der Heide einsetzte und 1753 endlich Gehör bei König Frederik V. fand, als er einen detaillierten Kostenvorschlag mit Kolonisten aus seiner Heimatregion als Arbeitskräfte auf den Tisch brachte. Das Haus, das er inmitten der Heide für sich baute, nannte er Kongenshus – vom Haus ist heute nichts mehr übrig. Der Name aber blieb.

Überhaupt blieb es ein schwieriges Unterfangen, die meisten der 1759 ins Land gekommenen deutschen Kolonisten verließen Mitteljütland schon nach kurzer Zeit wieder. Die, die blieben, scheiterten beim Versuch, Getreide anzubauen und begannen jedoch bald mit dem Anbau von Kartoffeln. Alles, was nicht zur eigenen Versorgung gebraucht wurde, wurde auf dem Markt in Viborg verkauft: Der Name Kartoffeltysker war geboren.

500 Steine erinnern an turbulente Zeiten


Schließlich zog es auch viele dänische Bauern nach Mitteljütland, um die Bemühungen, die Heide zu kultivieren, zu unterstützen. All diesen Menschen sind die über 500 teils kunstvoll bearbeiteten Steine gewidmet, die im Mindedal platziert worden sind. Es handelt sich dabei um Herredsten ( herred ist die Bezeichnung für einen Gerichts- bzw- Verwaltungsbezirk) und Sognesten (sogn bezeichnet eine Gemeinde bzw. ein Kirchspiel).
Auf den Herredsten, von denen es 39 gibt und die jeweils einen der 39 nordjütischen Verwaltungsbezirke repräsentieren (plus einen vierzigsten, der für alle Verwaltungsbezirke Sønderjyllands steht) sind Wappen des jeweiligen Bezirkes, die Strophe eines Liedes oder ein Sinnspruch sowie Figuren zu sehen, die charakteristisch für den Verwaltungsbezirk sind. Außerdem sind auf einigen zwei Kreise erkennbar, die jeweils in drei Felder eingeteilt sind und den Anteil an Wald, Acker sowie brachliegendem Land zu unterschiedlichen Zeiten im entsprechenden Bezirk anzeigen.

Auf den Sognesten, die für die Kirchspiele stehen, aus denen die Bauern samt ihren Familien kamen, sind über 1200 Namen verewigt.
Am Ende des Tals befindet sich der sogenannte Versammlungsplatz, der von Gedenksteinen umgeben ist, die an Menschen erinnern, die sich ebenfalls auf die ein oder andere Weise um die Kultivierung der Heide und die Heideflächen an sich bemüht haben.

Mit ein wenig Hintergrundwissen ein spannender Spaziergang durch eine besondere Landschaft – eine karge Schönheit. Gleichzeitig kann man sein Wissen über Dänemark testen – geografische Kenntnisse kommen hier besonders zum Tragen. Und auch die eigenen Dänischkenntnisse kann man hier auf die Probe stellen – doch nicht traurig sein, wenn man vielleicht an seine Grenzen kommt. Viele Inschriften hier sind in Dialekten verfasst, die wohl auch Muttersprachler das ein oder andere Mal grübeln lassen.


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